Inhaltsverzeichnis
- Was ist craniosacrale Osteopathie?
- Wie funktioniert die Behandlung am Cranium?
- Bei welchen Beschwerden wird craniosacrale Osteopathie eingesetzt?
- Warum arbeitet craniosacrale Osteopathie an Schädel und Kreuzbein?
Was ist craniosacrale Osteopathie?
Die craniosacrale Osteopathie ist eine sanfte manuelle Therapieform, die auf der Verbindung zwischen Schädel (lateinisch Cranium) und Kreuzbein (Sacrum) basiert. Im Zentrum steht der craniosacrale Rhythmus, ein subtiler Puls, der durch die Zirkulation der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) entsteht. Diese Therapie arbeitet mit minimalen Berührungen, um körpereigene Regulationsprozesse zu unterstützen. Sie betrachtet den Menschen als ganzheitliches System, in dem alle Strukturen miteinander verbunden sind.
Wie funktioniert die Behandlung am Cranium?
Die Berührung in der craniosacralen Osteopathie ist außergewöhnlich behutsam, oft nicht mehr als fünf Gramm Druck, vergleichbar mit dem Gewicht einer Münze. Der Schädel besteht aus verschiedenen Knochenplatten, die durch Nähte verbunden sind und minimale Bewegungen ermöglichen. Therapeuten arbeiten mit diesen feinen Bewegungen, um Spannungsmuster zu erkennen und zu beeinflussen. Durch achtsame Kontaktaufnahme mit dem Cranium, der Wirbelsäule und dem Kreuzbein wird das System zur Selbstregulation angeregt.
Bei welchen Beschwerden wird craniosacrale Osteopathie eingesetzt?
Erwachsene suchen craniosacrale Behandlungen häufig bei chronischen Spannungskopfschmerzen, Migräne, Kiefergelenksbeschwerden und Nackenproblematiken auf. Auch bei Stress, Erschöpfungszuständen und Schlafstörungen kann diese Methode unterstützend eingesetzt werden. Darüber hinaus wird sie begleitend bei funktionellen Störungen angewendet. Die sanfte, nicht-invasive Herangehensweise macht sie zu einer angenehmen Behandlungsoption für die meisten Erwachsenen.
Warum arbeitet craniosacrale Osteopathie an Schädel und Kreuzbein?
Die craniosacrale Osteopathie betrachtet Cranium und Sacrum als verbundenes System. Über die Dura mater, die harte Hirnhaut, besteht eine direkte membranöse Verbindung zwischen beiden Polen. Spannungen am Kreuzbein beeinflussen den gesamten craniosacralen Rhythmus und umgekehrt. Deshalb behandle ich immer beide Pole, um das harmonische Zusammenspiel des gesamten Systems zu unterstützen.
Wo Anatomie auf Feingefühl trifft
Als Michele Garcia-Greno erlebe ich täglich, wie beeindruckend vernetzt unser Körper ist. Die craniosacrale Osteopathie macht diese Verbindungen nicht nur spürbar, sondern auch hörbar.
Der Rhythmus spricht, der Darm antwortet
Der craniosacrale Rhythmus pulsiert durch die Zirkulation der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit, subtil wie ein Atemzug des Gewebes. Für meine Hände ist er ein präziser Informationsgeber. Wo fließt die Bewegung ungehindert? Wo stockt sie? Diese minimalen Bewegungen zu lesen ist der Schlüssel zur Behandlung.
Ein Moment, der mich immer wieder fasziniert, ereignet sich am Foramen Jugulare, jener kleinen Öffnung zwischen Hinterhaupt und Schläfenbein. Wenn ich dort arbeite, höre ich oft zusammen mit dem Patienten ein deutliches Glucksen im Bauch. Die Erklärung liegt in der Anatomie. Genau an dieser Stelle tritt der Nervus Vagus aus, der Nerv, der unsere Verdauungsorgane reguliert. Eine sanfte Berührung am Cranium beeinflusst den Vagus, der Darm reagiert unmittelbar. Craniosacrale Osteopathie verbindet Schädel und Organfunktion auf direktem Weg.
Minimal berühren, vernetzt denken
Fünf Gramm Druck, das Gewicht einer Münze, genügt für die Behandlung. Mit meinen Händen am Cranium, an der Wirbelsäule und am Sacrum ertaste ich Bewegungsqualitäten und Spannungsmuster. Die craniosacrale Osteopathie betrachtet den Menschen als vernetztes System und nicht als Ansammlung einzelner Symptome. Vom Nervensystem über Muskulatur bis zur Verdauung ist alles verbunden. Diese sanfte Methode eignet sich für Erwachsene, die dem Körper Zeit und Raum geben möchten, seine eigenen Regulationsprozesse zu aktivieren.
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Quellen:
Langer, W., & Hebgen, E. (2013). Lehrbuch Osteopathie. Haug.
Liem, T. (2013). Kraniosacrale Osteopathie: Ein praktisches Lehrbuch (6. Auflage). Haug.
Schünke, M., Schulte, E., Schumacher, U., Voll, M., & Wesker, K. (2012). Prometheus LernAtlas der Anatomie: Kopf, Hals und Neuroanatomie (3. Auflage). Thieme.


