Inhaltsverzeichnis
- Was macht den weiblichen Zyklus aus?
- Warum gerät der Zyklus aus dem Gleichgewicht?
- Welche Zyklusbeschwerden behandelt die Osteopathie?
- Wie arbeitet die Osteopathie bei Zyklusbeschwerden?
Was macht den weiblichen Zyklus aus?
Der weibliche Zyklus gleicht einem monatlichen Tanz der Hormone, bei dem Östrogen und Progesteron abwechselnd die Führung übernehmen. Dieser Rhythmus folgt etwa 28 Tagen, wobei individuelle Schwankungen zwischen 21 und 35 Tagen völlig normal sind. Vier Phasen prägen diesen Ablauf.
Die Menstruation dauert etwa fünf Tage, während derer sich die Gebärmutterschleimhaut löst und ausgeschieden wird. Parallel beginnt bereits die Follikelphase, in der mehrere Eibläschen in den Eierstöcken heranreifen, bis sich eines durchsetzt. Der Östrogenspiegel steigt kontinuierlich an, während die Gebärmutterschleimhaut sich wieder aufbaut.
Der Eisprung markiert den Höhepunkt, bei dem das gereifte Ei den Eierstock verlässt und in einem Zeitfenster von etwa zwölf bis vierundzwanzig Stunden befruchtet werden kann. Danach beginnt die Lutealphase, in der der Gelbkörper Progesteron produziert. Bleibt eine Befruchtung aus, sinken beide Hormonspiegel, die Schleimhaut wird instabil und der Zyklus beginnt von neuem.
Östrogen fördert in der ersten Zyklushälfte den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und die Reifung der Eizellen, während es gleichzeitig dem Knochenabbau entgegenwirkt, die Durchblutung verbessert und das Gewebe mehr Wasser aufnehmen lässt. Zudem blockiert es ein Enzym, das Serotonin abbaut, und beeinflusst damit das psychische Wohlbefinden.
Progesteron verwandelt in der zweiten Hälfte die Gebärmutterschleimhaut in ein nährstoffreiches Bett und wirkt dabei neuroprotektiv, fördert erholsamen Schlaf und stärkt Haut und Haar. Die Kollagenbildung wird angeregt, und durch seine wachstumshemmende Wirkung auf das Endometrium kann es das Fortschreiten einer Endometriose bremsen.
Das Verhältnis zwischen Östrogen und Progesteron bestimmt das hormonelle Gleichgewicht, und wenn es aus der Balance gerät, reagiert der Körper mit Beschwerden.
Warum gerät der Zyklus aus dem Gleichgewicht?
Eine Östrogendominanz entsteht, wenn zu viel Östrogen im Verhältnis zu Progesteron vorhanden ist, wobei die vorangegangene Einnahme von Kontrazeptiva, chronischer Stress, Insulinresistenz, das PCO-Syndrom sowie ein Mangel an B-Vitaminen oder Mineralstoffen wie Selen und Magnesium als Ursachen in Betracht kommen. Chronischer Stress verschiebt die Hormonproduktion besonders deutlich, da der Körper unter Dauerbelastung Progesteron bevorzugt in Kortisol umwandelt.
Die Östrogendominanz wirkt als Verstärker, indem sie das Wachstum des Endometriums fördert und dadurch mehr Rohmaterial für Prostaglandine beim Abbau zur Verfügung stellt. Diese Gewebshormone lösen Kontraktionen in der Gebärmutter aus und sind häufig Auslöser schmerzhafter Menstruationen.
Ein Progesteronmangel geht meist Hand in Hand mit der Östrogendominanz und kann nach operativer Entfernung der Eierstöcke, bei reduzierter Durchblutung dieser Organe oder nach einer Sterilisation auftreten. Hormonelle Verhütungsmittel, Fehlernährung und anhaltender Stress tragen ebenfalls dazu bei.
Die Leber spielt eine zentrale Rolle, da sie verbrauchte Hormone abbaut, wobei eingeschränkte Lebermobilität diese Funktion beeinträchtigen kann. Die fasziale Verbindung zwischen Leber und Zwerchfell beeinflusst ihre Beweglichkeit mit der Atmung.
Die Durchblutung der Beckenorgane ist essentiell, denn fasziale Spannungen im kleinen Becken können die Versorgung einschränken. Die Vene des linken Eierstocks mündet in die linke Nierenvene, wodurch die Nierenfunktion die Entstauung des gesamten Bereichs beeinflusst, während verdichtetes Gewebe, eingeschränkte Beweglichkeit der Organe und Spannungen in der Hüftmuskulatur auf die Druckverhältnisse im Becken einwirken.
Welche Zyklusbeschwerden behandelt die Osteopathie?
Das prämenstruelle Syndrom zeigt sich in der zweiten Zyklushälfte durch Spannungsgefühle in Brüsten und Unterbauch, Schlafstörungen, Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen bis Migräne. Wassereinlagerungen entstehen durch erhöhte Gefäßdurchlässigkeit, Heißhunger durch verstärkte Insulinwirkung. Seelisch zeigen sich Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Stimmungsschwankungen. Die Ursachen liegen in hormonellen Dysbalancen, die besonders Serotonin beeinflussen.
Die Dysmenorrhoe unterteilt sich in zwei Formen. Bei der primären Form ist die Menstruation selbst der Schmerzauslöser durch vermehrte Prostaglandinausschüttung. Die sekundäre Form entsteht als Folge organischer Erkrankungen wie Endometriose, Myome, Adenomyose, Zysten oder Verwachsungen.
Die Amenorrhoe bezeichnet das Ausbleiben der Regelblutung. Bei der primären Form setzt die Menstruation bis zum 16. Lebensjahr nicht ein. Mögliche Ursachen sind Hormondysbalancen, Hypophysenschwäche, Ovarialinsuffizienz, starkes Untergewicht, Stress oder genetische Fehlbildungen. Die sekundäre Form beschreibt das Ausbleiben für mindestens drei Monate bei zuvor regelmäßigem Zyklus.
Wie arbeitet die Osteopathie bei Zyklusbeschwerden?
Die osteopathische Behandlung bei PMS
Die Behandlung erfolgt idealerweise in der beschwerdefreien Phase nach der Menstruation bis zur Zyklusmitte. Zunächst löse ich allgemeine Spannungen, bevor ich gezielt auf PMS-Beschwerden eingehe. Die Regulation des vegetativen Nervensystems bildet die Grundlage.
Im Mittelpunkt steht die Entstauung des kleinen Beckens. Mit viszeralen Techniken ertaste ich Gewebsqualität, Beweglichkeit der Organe und Fluss der Körperflüssigkeiten. Die linke Niere erhält besondere Aufmerksamkeit, da die Vene des linken Eierstocks in die linke Nierenvene einmündet.
Die Harmonisierung der Druckverhältnisse berücksichtigt fasziale Strukturen und die Hüftmuskulatur, die über ihre Ansätze direkt auf die Spannung im Becken einwirkt. Die Leber beeinflusst den venösen Rückfluss und baut Östrogen und Progesteron ab. Ihre Beweglichkeit unter dem Zwerchfell fördere ich mit viszeralen Techniken. Gebärmutter und Eierstöcke beziehe ich ebenfalls ein.
Die osteopathische Behandlung bei schmerzhafter Regelblutung
Bei Dysmenorrhoe überprüfe ich zunächst die umliegenden Verdauungsorgane. Selbst geringe fasziale Spannungen können Beschwerden auslösen, wenn die Kontraktionen der Gebärmutter Zug auf benachbarte Strukturen ausüben. Der Darm liegt in unmittelbarer Nachbarschaft, beide teilen fasziale Verbindungen.
Die Gebärmutter behandele ich mit viszeralen Techniken. Ich ertaste ihre Beweglichkeit, ihre Position im Becken und die Spannung ihrer Aufhängungen. Die bindegewebigen Verbindungen zum Kreuzbein verdienen besondere Aufmerksamkeit, da sich über diese Strukturen Spannungen zwischen Beckenorganen und Wirbelsäule übertragen. Rückenschmerzen während der Menstruation stehen häufig in diesem Zusammenhang.
Die osteopathische Begleitung bei Ausbleiben der Regel
Bei primärer Amenorrhoe ertaste ich Spannungen und Verklebungen im Bauch- und Beckenraum und fördere Beweglichkeit und Durchblutung. Über cranio-sacrale Techniken kann das zentrale Nervensystem ausgeglichen werden. Diese Techniken am Schädel und Kreuzbein beeinflussen die hormonelle Steuerung über die Hypothalamus-Hypophysen-Achse. Liegt eine genetisch bedingte Amenorrhoe oder organische Fehlbildung vor, ersetzt die Osteopathie keine kausale Behandlung.
Bei sekundärer Amenorrhoe steht die Mobilisation von Gebärmutter, Eierstöcken und den umgebenden faszialen Strukturen im Mittelpunkt. Über cranio-sacrale Techniken kann die Hypothalamus-Hypophysen-Achse beeinflusst werden, die Hormonproduktion koordiniert und sensibel auf mechanische Spannungen reagiert.
Wenn Stress als Ursache in Betracht kommt, beziehe ich die Nebennieren ein. Diese sitzen auf den Nieren und sind für die Ausschüttung von Stresshormonen verantwortlich. Chronischer Stress beeinflusst die hormonelle Balance, da unter Dauerbelastung Progesteron in Kortisol umgewandelt wird. Ich ertaste die Beweglichkeit der Nebennieren mit der Atmung und arbeite mit den faszialen Verbindungen zum Zwerchfell und zur Lendenwirbelsäule.
Osteopathie und Zyklusbeschwerden: Wenn der Körper seine Sprache wiederfindet
Das Gewebe im kleinen Becken einer Patientin Mitte zwanzig fühlt sich verdichtet an. Die Organe bewegen sich kaum mit der Atmung, die Leber sitzt fest unter dem Zwerchfell. Sie erzählt von zehn Tagen vor ihrer Periode, in denen Brustspannen, Stimmungsschwankungen und ein aufgeblähter Bauch ihr Leben bestimmen. Das monatliche Muster erschöpft sie.
Über mehrere Zyklen arbeite ich mit der Entstauung des Beckens, der Lebermobilität und über das vegetative Nervensystem. Sie kommt regelmäßig. Nach einigen Monaten spricht sie von einem veränderten Körpergefühl. Ihr Zyklus zeigt noch seine Signale, doch etwas in ihrem Erleben hat sich verschoben. Sie nimmt anders wahr, reagiert anders.
Wenn ich die Gebärmutter einer Patientin ertaste, die seit ihrer Jugend mit Regelschmerzen lebt, spüre ich, wie fixiert sie liegt. Die Verbindungen zum Kreuzbein sind angespannt, der Darm zeigt wenig Eigenbewegung. Die Krämpfe bestimmen mehrere Tage ihres Monats.
Die viszerale Arbeit fokussiert sich auf Gebärmutter und Darm, auf das Lösen der Spannungen zum Kreuzbein. Nach mehreren Sitzungen berichtet sie von ihrer letzten Menstruation. Die Krämpfe kamen, doch sie erlebte sie anders. Sie blieb handlungsfähig, musste sich nicht komplett zurückziehen. Etwas in der Qualität hatte sich verändert.
Der weibliche Zyklus folgt eigenen Gesetzen, die tief im Gewebe verankert sind. Wenn Spannungen diese Rhythmen stören, entstehen Beschwerden. Die osteopathische Arbeit versteht den Körper als Einheit, in der mechanische Strukturen und hormonelle Prozesse ein untrennbares Ganzes bilden. Die Faszination liegt in dieser Verknüpfung, denn eine Veränderung in der faszialen Spannung kann die Durchblutung eines Organs beeinflussen, die Mobilität der Leber den Hormonabbau fördern, die Arbeit an den Nebennieren das vegetative Gleichgewicht verschieben. Der Körper besitzt bemerkenswerte Fähigkeiten zur Selbstregulation, wenn ihm der nötige Raum gegeben wird.
Quellen:
Camirand, N. (2019). Osteopathische Behandlung hormoneller und nervlich bedingter Störungen. Urban & Fischer.
Miorin-Bellermann, J. (2022). Hormonelle Dysbalancen: Erkennen – Verstehen – Behandeln. Karl Haug Verlag.
Riedl, K. H., & Schleupen, A. (Hrsg.). (2010). Osteopathie in der Frauenheilkunde. Urban & Fischer.
Bazin, O., & Naudin, M. (2022). Osteopathische Behandlung des weiblichen Beckenbereichs. Urban & Fischer.


