Parietale Osteopathie: Wo Statik auf Dynamik trifft

Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist parietale Osteopathie?
  2. Welche Strukturen werden behandelt?
  3. Warum spielen Faszien eine zentrale Rolle im Bewegungsapparat?
  4. Wie funktioniert das Zusammenspiel von Statik und Dynamik?

Was ist parietale Osteopathie?

Die parietale Osteopathie beschäftigt sich mit den knöchernen Strukturen und dem gesamten Muskel-Skelett-System, also unserem Bewegungsapparat. Im Mittelpunkt steht das faszinierende Zusammenspiel zwischen Haltung und Bewegung, zwischen Statik und Dynamik. Dieses System ermöglicht es uns einerseits, stabil aufrecht zu stehen, und andererseits, uns frei und geschmeidig zu bewegen. Die parietale Osteopathie betrachtet nicht nur einzelne Strukturen isoliert, sondern immer das gesamte System mit all seinen Wechselwirkungen. Dabei spielen die Faszien, jene Bindegewebshüllen, die alle Strukturen verbinden, eine zentrale koordinierende Rolle.

Welche Strukturen werden behandelt?

In der parietalen Osteopathie arbeite ich mit allen Strukturen des Bewegungsapparats: den Gelenken von der Halswirbelsäule bis zum Sprunggelenk, der gesamten Wirbelsäule als tragende Achse unseres Körpers, den Bändern, die für Stabilität sorgen, der Muskulatur, die Bewegung ermöglicht, den Sehnen als Verbindung zwischen Muskel und Knochen, und den Faszien, die alles miteinander vernetzen. Jede dieser Strukturen hat ihre spezifische Aufgabe, doch erst ihr harmonisches Zusammenspiel ermöglicht einen funktionierenden Bewegungsapparat. Einschränkungen in einer Struktur können sich über das fasziale Netzwerk auf andere Bereiche übertragen und dort Auswirkungen zeigen.

Wie funktioniert das Zusammenspiel von Statik und Dynamik?

Unser Bewegungsapparat muss zwei scheinbar gegensätzliche Aufgaben meistern, Stabilität bieten und gleichzeitig Bewegung ermöglichen. Die Wirbelsäule trägt uns aufrecht, während die Gelenke Beweglichkeit ermöglichen. Die Muskulatur stabilisiert und bewegt zugleich. Die Bänder geben Halt, ohne die Bewegung zu blockieren. Dieses faszinierende Gleichgewicht zwischen Statik und Dynamik wird über das fasziale Netzwerk und das Nervensystem koordiniert. In der parietalen Osteopathie suche ich nach Bereichen, in denen dieses Gleichgewicht gestört ist, wo zu viel Spannung die Bewegung einschränkt oder wo zu wenig Stabilität Probleme verursacht.

Warum spielen Faszien eine zentrale Rolle im Bewegungsapparat?

Die Faszien sind das verbindende Element im gesamten Bewegungsapparat, ein dreidimensionales Netzwerk aus Bindegewebe, das jeden Muskel, jeden Knochen, jedes Band umhüllt und miteinander verbindet. Damit diese komplexe Struktur aus Statik und Dynamik gut funktioniert, müssen die Faszien harmonisch miteinander agieren. Sie übertragen Kräfte, ermöglichen Gleitbewegungen zwischen den Strukturen und geben Informationen an das Nervensystem weiter. Interessanterweise ist auch unser Nervensystem selbst von Faszien umgeben. Diese neurofaszialen Verbindungen koordinieren die gesamten Abläufe im Bewegungsapparat. Eine fasziale Einschränkung kann daher nicht nur mechanische, sondern auch neurophysiologische Auswirkungen haben.


Parietale Osteopathie behandelt Strukturen und Zusammenhänge

Als Michele Garcia-Greno arbeite ich täglich mit dem Bewegungsapparat, jenem komplexen System, das uns trägt, hält und bewegt. Die parietale Osteopathie zeigt mir immer wieder, wie genial Statik und Dynamik ineinander greifen.

Das tragende Gerüst

Die Wirbelsäule ist unsere zentrale Achse. Sie trägt uns aufrecht durchs Leben und ermöglicht gleichzeitig erstaunliche Beweglichkeit. Jeder Wirbel, jedes Gelenk hat seinen Platz in diesem System. Die Hüftgelenke tragen unser Gewicht und ermöglichen das Gehen, die Schultergelenke bieten maximale Bewegungsfreiheit für unsere Arme. Doch ein Gelenk arbeitet nie isoliert. Wenn ich ein eingeschränktes Iliosakralgelenk palpiere, untersuche ich auch die Lendenwirbelsäule, die Hüfte, sogar die Füße, denn über das fasziale Netzwerk ist alles verbunden. Der Körper kompensiert ständig, und diese Kompensationsmuster zu verstehen ist entscheidend, denn oft liegt die Ursache für Beschwerden nicht dort, wo der Schmerz entsteht.

Wenn Schultern hartnäckig bleiben

Ein Patient kommt mit Schulterbeschwerden. Die Halswirbelsäule könnte die Ursache sein, Spannungen, die in die Schulter ausstrahlen. Doch oft ist die Schulter viszeral getriggert, und genau hier beginnt die spannende Detektivarbeit.

Ich kenne das noch aus meiner Zeit als Physiotherapeutin. Schultern hielten sich trotz guter Therapie oft hartnäckig. Muskulatur behandelt, Gelenk mobilisiert, Beweglichkeit trainiert, und dennoch blieb die Einschränkung. Warum? Weil die wahre Ursache woanders lag. Eine rechtsseitige Schulterproblematik kann ihren Ursprung in einer eingeschränkten Leber haben, die über fasziale Verbindungen zum Zwerchfell und weiter zur Schulter Spannungen überträgt. Linksseitig können Magen oder Milz beteiligt sein.

Die parietale Behandlung der Schulter allein kann zu kurz greifen. Wenn ich auch die viszeralen Strukturen untersuche und einbeziehe, lässt sich manchmal eine Veränderung beobachten. Dieser ganzheitliche Blick macht den Unterschied.

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Quellen:

Langer, W., & Hebgen, E. (2013). Lehrbuch Osteopathie. Haug.

Maasen, A. (2011). Checkliste: Parietale Osteopathie. Haug.

Schünke, M., Schulte, E., Schumacher, U., Voll, M., & Wesker, K. (2014). Prometheus LernAtlas der Anatomie: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem (4. Auflage). Thieme.

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